TOPIC: [2013] 27.07.2013 - Superzelle mit Großhagel bei Hannover

[2013] 27.07.2013 - Superzelle mit Großhagel bei Hannover 26 Jul 2015 14:10 #14

 
Zusammenfassung
 
 
Art, Intensität und Zelltyp
 
 
Gewitter, starke Superzelle und mäßigstarke Multizellen
 
 
Beteiligte Teammitglieder
 
 
Christopher Irmer und Stefan Winter; Justin Wenk
 
 
Chasingorte/ betroffene Orte
 
 
bei Hannover/ Teile von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
 

Wetterlage

Am 27.07.2013 befand sich ein größerer Tiefdruckkomplex auf dem Atlantik, dieser advehierte heiße Saharaluft nach Deutschland. In der gleichzeitig stark labilen Luftmasse (Bedingungen wurden durch ein Randtief welches von dem Tiefdruckkomplex über dem Atlantik ausging zusätzlich verbessert) entwickelte sich am 26.07. über Frankreich bereits ein größeres Gewittersystem (MCS) welches in den darauffolgenden Stunden weiter in Richtung Westdeutschland zog und NRW treffen sollte. Am 27.07. war dies auch der Fall, das Gewittersystem zog über Teile NRW's weiter in Richtung Nord bis Nordost, am südöstlichen/ östlichen Ende des Systems befand sich außerdem eine Superzelle die nach Nordosten/ Osten ausscherte, diese löste sich erst über dem nordwestlichen Brandenburg allmählich auf. Diese Zelle hinterließ in den betroffenen Regionen zum Teil größere Schäden an Autos und Gebäuden, auf die auch noch einmal am Ende des Berichtes genauer eingegangen wurde.

Chasingbericht, Bilder & Videos

Am 27.07.2013 planten 3 unserer Team-Mitglieder ein neues Chasing, da eine interessante Gewitterlage anstand die vor allem den Nordwesten von Deutschland betreffen sollte. Christopher Irmer und Stefan Winter entschieden sich dabei, Hannover anzusteuern und als Standpunkt festzulegen. Die Entscheidung war letztendlich die richtige, denn tatsächlich zog im Verlauf des Nachmittags des 27.07. ein recht gefährliches Gewitter direkt auf die Stadt zu, dabei handelte es sich um eine Superzelle.

Einige Minuten vor dem Eintreffen der Zelle bei unseren Teamkollegen gingen bereits immer mehr Unwettermeldungen aus den Regionen südlich und südwestlich von Hannover ein, in denen vor allem sehr großer Hagel erwähnt wurde. Neben unseren Teammitgliedern waren auch weitere Sturmjäger-Teams aus ganz Deutschland an der Superzelle dran. Teamkollege Justin Wenk stand währenddessen mit Christopher Irmer und Stefan Winter über das Handy regelmäßig in Kontakt. Als die Zelle kurz vor Hannover angekommen war, war klar, das ein sichererer Beobachtungsplatz gesucht werden müsse, allerdings war es bereits zu spät. Es fing an zu hageln, vorerst eher in kleinerer Größe, später wuchs dieser auf bis zu 9cm an! Unten seht Ihr auch noch einmal ein Bild hiervon, auf dem Foto ist ein Hagelkorn mit einer Größe von rund 7 Zentimetern zu sehen. Diese Hagelgeschosse hatten auch Schäden am Auto hinterlassen, weshalb das Chasing kurz darauf auch abgebrochen werden musste.

In der Zwischenzeit scherte die Superzelle immer weiter in Richtung Nordosten bis Osten aus und erreichte im weiteren Verlauf -ohne jegliche Anzeichen einer Abschwächung- auch Teile des nördlichen Sachsen-Anhalts, wir warnten daraufhin auch noch einmal alle in dieser Region vor dem schweren Gewitter über unseren Live-Ticker, neben dem Großhagel brachte diese Zelle auch heftigen Starkregen und schwere Sturmböen oder orkanartige Böen mit sich. Weitere Informationen dazu im unteren Abschnitt.

Teamkollege Justin Wenk blieb an diesem Tag dagegen in Sachsen-Anhalt und wartete hier auf einige Gewitterzellen, gegen Abend bildeten sich dann über dem südlichsten Teil (Burgenlandkreis) und über Thüringen einige kleinere und auch kräftige Zellen die mehr als sehenswert waren, denn man konnte genauestens die Entwicklung der einzelnen Zellen von dem Standpunkt aus beobachten, dabei konnten Cumulonimben mit einer gigantischen Struktur, die es hier nicht allzu oft zu sehen gibt, festgehalten werden.



Der Aufwindturm der Superzelle.



Das größte dokumentierte Hagelkorn besaß eine Größe von rund 7 Zentimetern, allerdings gab es auch einige bis zu 9cm.



Entstandene Hagelschäden am Auto, das Chasing wurde daraufhin abgebrochen.



Großhagel führt zu Schäden und zum Chasing-Abbruch

Aufgrund der Schäden die am Auto entstanden sind, musste das Chasing abgebrochen werden. Aber auch sonst kam es in den betroffenen Regionen zu größeren Schäden an Gebäuden, Autos und sonstigen empfindlichen Gegenständen die sich außen befanden. Ein Video welches auf YouTube hochgeladen wurde zeigt eindrucksvoll, mit welcher Wucht die Hagelgeschosse niedergingen (Aufnahmeort Arpke).


Analyse

Am 27.07.2013 wurde von uns gegen 10:00 Uhr nochmals ein Hinweis sowie eine Information zum bevorstehenden Chasing bezüglich der zu erwartenden Unwetterlage an diesem Tag ausgegeben:

Heute steht eine Schwergewitterlage vor allem für den Westen an. Unser Teamleiter Chistopher Irmer fährt mit den Kollegen Stefan Winter nach Hannover und wird dort abwarten auf die vorlaufenden Systeme.



Gegen 13.00 Uhr machten sich unsere beiden Teamkollegen Christopher Irmer und Stefan Winter auf den Weg in Richtung Hannover, 13.15 Uhr erfolgte dementsprechend ein Posting via Liveticker. 14.40 Uhr brach die GPS-Verbindung ab, Teammitglied Justin Wenk stand allerdings regelmäßig über das Handy in Kontakt, sodass wir auf den neuesten Stand blieben, Unwettermeldungen wurden dann durch ihn weitergeleitet, neue Radardaten durchgegeben und auch weitere Informationen zur aktuellen Lage wurden veröffentlicht.

Darauffolgend zog die Superzelle auf Teile des nördlichen Sachsen-Anhalts zu und lag mit dem Kern noch knapp westlich bis nordwestlich von Wolfsburg. Gegen 17.10 Uhr wurde ein weiterer Hinweis ausgegeben, das sich die Bewohner in den markierten Gebieten unbedingt auf das Unwetter vorbereiten sollten, damit war vor allem das Ergreifen von Schutzmaßnahmen gemeint. Die Teamkollegen Christopher Irmer und Stefan Winter hatten ihr Chasing mittlerweile abgebrochen, da es zuvor zu Hagelschäden am Auto kam.



Die Superzelle aus Niedersachsen nimmt nun Kurs auf den nördlichen Teil von Sachsen-Anhalt bzw. sie schert nach Osten aus! Im Kern dieser Zelle sind Großhagel, heftiger Starkregen und schwere Sturmböen oder sogar orkanartige Böen möglich! Das Gewitter kommt aus Richtung West bis Südwest und zieht etwa in Richtung Nordost bis Ost (siehe auch die Grafik, die Zugrichtung wurde dort eingezeichnet). Man sollte sich unbedingt auf dieses Unwetter vorbereiten, unsere Team-Mitglieder haben (über einen Anruf) unter anderem riesigen Hagel gemeldet, außerdem kam es zu Schäden am Auto! Bilder davon folgen nachher!!

Der 2. Hinweis (Update) erfolgte gegen 18.21 Uhr, unter anderem wurden hier ebenfalls erwähnt, das sich weitere Gewitter über dem südlichsten Sachsen-Anhalt (BLK) bzw. über Thüringen gebildet haben oder sich derzeit entwickelten. Kurz darauf machte sich dann auch Teamkollege Justin Wenk auf den Weg um diese abzufangen, was ebenfalls gut verlief.



Die Superzelle aus Niedersachsen hat nun die Altmark erreicht und zieht bisher ohne Anzeichen für eine Abschwächung weiter in Richtung Ost bis Nordost. Die Zelle weist weiterhin starke Intensitäten auf, es muss also auch weiterhin mit großem Hagel, heftigem Starkregen und auch z.T. orkanartigen Böen gerechnet werden!

Auch im Süden Sachsen-Anhalts hat es mittlerweile ausgelöst, dass heißt im südlichen Saale- und Burgenlandkreis kommt es derzeit ebenfalls zu Gewittern, die aber bisher eine schwächere Intensität aufweisen als die Zelle im Norden von Sachsen-Anhalt. Hier muss punktuell mit Starkregen, kleinerem Hagel und auch Sturmböen gerechnet werden. Die Gewitter ziehen in Richtung Nordosten.

Unwetterschäden & Zusammenfassung

Vor allem der Hagel erwies sich als einer der schadensträchtigsten Begleiterscheinungen innerhalb der Superzelle, da dieser teilweise sehr groß ausfiel und einige Hagelkörner 9cm-Durchmesser besaßen. Es entstanden somit in den betroffenen Regionen zum Teil größere Schäden an Gebäuden, Autos und weiteren empfindlichen Gegenständen die sich außen befanden. Hinzu kamen starke Regenfälle und auch orkanartige Böen, lokal kam es zu Überschwemmungen von Straßen und Kellern und zu umgestürzten Bäumen aufgrund der starken Böen. Den Medien zufolge gab es bei diesem Unwetter mehrere Verletzte.

LG Justin

Projekt- und Teamleiter der Stormchaser Sachsen-Anhalt
Last edit: Post by Justin Wenk.
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