TOPIC: [2011] 11.09.2011 - Schwergewitter mit Böenfront

[2011] 11.09.2011 - Schwergewitter mit Böenfront 30 Jul 2015 10:19 #20

 
Zusammenfassung
 
 
Art, Intensität und Zelltyp
 
 
Gewitter, Gewittersystem z.T. mit eingelagerten starken Superzellen
 
 
Beteiligte Teammitglieder
 
 
Justin Wenk; Janette Mädchen (Schadensanalyse)
 
 
Chasingorte/ betroffene Orte
 
 
Schiepzig; Peißen und Scheuder/ bevorzugt mittlere und südliches Sachsen-Anhalt
 

Wetterlage

Während die Kaltfront bis in die Mittagsstunden des 11.09. den Nordwesten bereits überquert hatte mit nur einzelnen und deutlich schwächeren Gewittern und rückseitig stabile Atlantikluft einsickerte, lagen die Gebiete etwa südöstlich einer gedachten Linie Trier – Kassel – Göttingen – Usedom in energiereicher, subtropischer Warmluft. Hier gab es hohe Labilität und Windscherung (Windrichtungs- und Windgeschwindigkeitsänderung mit der Höhe).

Der Schwerpunkt der stärksten Entwicklungen/ Gewitterbildungen war im unmittelbaren Vorfeld der Kaltfront zu finden (ungefähr auf einer Linie von Rheinland-Pfalz über Hessen, Franken, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Brandenburg). In diesen Regionen kam es teilweise sehr verbreitet zur Bildung von Schwergewittern, wobei Sachsen-Anhalt allerdings am stärksten betroffen war bzw. die stärksten Gewitter abbekam.

Chasingbericht & Bilder

Am 11.9.2011 (Sonntag) zog über mehrere Teile Deutschlands eine Schwergewitterfront hinweg, die vor allem in Sachsen-Anhalt heftig ausfiel und Schäden in Millionenhöhe verursachte. 1 Person kam bei den Gewittern ums Leben, es gab mehrere Verletzte. Es wurden insgesamt 4 Tornados in mehreren Orten gesichtet. Heftiger Starkregen sorgte vielerorts für Überschwemmungen, in Halle wurden beispielsweise ungefähr 40 l/qm in 1 Stunde registriert. Lokal gab es Großhagel mit bis zu 8 cm und oftmals auch schwere Sturmböen oder sogar orkanartige Böen. Diese Schwergewitterfront zog später dann Richtung Osten ab und hinterließ -vor allem im schwer betroffenen Peißen in Sachsen-Anhalt- eine Schneiße der Verwüstung.

Diese Gewitterlage war eine der heftigsten im Jahr 2011 bzw. für viele Regionen die schwerste seit mehreren Jahren (bevorzugt in Sachsen-Anhalt).

Grafiken/ Wetterkarten: Mit freundlicher Genehmigung von Meteomedia



Bodendruckkarten vom 10. bis 12.09.2011, je mittags um 14 Uhr MESZ mit schematischer Darstellung der Luftmassen: rot = schwülwarme Subtropikluft, grünblau = kühlere Atlantikluft



Niederschlagsradarbild vom 11.09.2011 um 18:30 Uhr MESZ (1 Radarpixel = 2 Quadratkilometer), welches die Schwergewitterfront bereits über dem Osten Sachsen-Anhalts und dem Nordwesten Sachsens zeigt.



Niederschlagsradaranimation vom 11.09.2011 von 16:00 bis 20:30 Uhr MESZ für den Sachsen-Anhalt und Umgebung mit Temperatur- und Windrichtungsverlauf an einigen Messstationen. Das schwer getroffene Peißen bei Bernburg (Saale) ist in der Bildmitte markiert.



Temperatur- und Windrichtungsveränderung vom 11.09.2011, 17 Uhr bis 19 Uhr MESZ in Sachsen-Anhalt und Umgebung. Peißen bei Bernburg (Saale) ist in der Bildmitte markiert.



Vertikalscan des Radarstandortes Berlin vom 11.09.2011 um 18:45 Uhr MESZ. 1 Radarpixel = 2 Quadratkilometer



Dies sind die Spitzenböen in Kilometer pro Stunde, welche das Unwetter hinterließ. Punktuell kann es zwischen den Wetterstationen noch wesentlich stärkere Böen gegeben haben.



Eigene Beobachtung des Unwetters:




Zusammenfassung, Unwetterschäden & Analyse

Der Gesamtschaden alleine zu diesem Unwetter hat den Gesamtschaden von Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 im gesamten Bundesland nur in der Region Bernburg übertroffen.

Es kam vielerorts zu heftigem Starkregen (lokal mit Mengen von über 40 l/m² in 1 bis 2 Stunden) und schweren Sturmböen/ orkanartigen Böen (vereinzelt auch Orkanböen). Lokal traten außerdem Großhagel von bis zu 8cm sowie vereinzelt auch Tornados auf (bis zu 4 gesichtet, genaue Stärke unbekannt).

Tornado-Verdachtsfälle vom 11.09.2011

1. Dessau-Süd (Verdachtsfall)
2. Cörmigk (Verdachtsfall)
3. Elsnigk (Verdachtsfall)
4. Rosefeld (bestätigt) - Schadensbilder (Tornadoschäden)

Vor allem im Salzlandkreis war es in vielen Gebieten das schwerste Unwetter seit mehreren Jahren. Auf der A14 zwischen Halle und Magdeburg brach der Verkehr teilweise zusammen, da der Schlamm von den Feldern auf die Autobahn gespült wurde bzw. diese allgemein an einigen Stellen komplett überschwemmt war. Autofahrer mussten sich auf die Dächer der Fahrzeuge retten, um mit Schlauchbooten von der Feuerwehr gerettet zu werden. Auch in anderen Orten Sachsen-Anhalts kam es zu Schlammlawinen.

Unser Team-Mitglied Janette Mädchen war in den am schwersten betroffenen Gebieten unterwegs, zuerst in Peißen:

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Scheuder:

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LG Justin

Projekt- und Teamleiter der Stormchaser Sachsen-Anhalt
Last edit: Post by Justin Wenk.
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