TOPIC: [2016] 23.05.2016 - MCS über Ostdeutschland

[2016] 23.05.2016 - MCS über Ostdeutschland 04 Jun 2016 11:52 #40

 
Zusammenfassung
 
 
Art, Intensität und Zelltyp
 
 
Gewitter, mäßigstarkes MCS
 
 
Beteiligte Teammitglieder
 
 
André Schücke, Justin Wenk
 
 
Chasingorte/ betroffene Orte
 
 
Bevorzugt Sachsen, Brandenburg/ Ostdeutschland
 

Wetterlage

Am 23.05.2016 verlagerte sich eine wellende Kaltfront in nordöstliche Richtung weiter, wobei die Höhenströmung in den östlichen Bundesländern präfrontal auf süd- bis südöstliche Richtungen drehte. Vor allem der Osten und Nordosten des Landes befanden sich weiterhin in einer labilen, feuchten und energetischen Luftmasse (Cape 1000-1500 J/kg). In den südlichen und westlichen Landesteilen kam es postfrontal zu Aufgleitniederschlägen infolge des Troges.

In den frühen Nachmittagsstunden entstanden über Tschechien bereits erste stärkere Gewitter, zunächst meist in Form von Multizellen. Diese zogen nur sehr langsam in nördliche Richtung und erreichten erst einige Stunden später Sachsen. Zuvor bildeten sich auch über Sachsen erste Gewitter, besonders am Erzgebirge. Speziell gegen Abend verclusterten die Zellen immer mehr, dabei formte sich daraus ein MCS (Mesoscale Convective System) mit eingelagerten Multizellen, auch Superzellen waren mit von der Partie. Nachdem das System in der 2. Nachthälfte den Nordosten und Norden Deutschlands erreichte, schwächte es sich immer weiter ab. Nachfolgend blieb nur noch ein skaliges Regengebiet zurück.

Chasingbericht & Bilder

In den Nachmittagsstunden des 23.05.2016 trafen sich unsere Teamkollegen André und Justin in der Nähe von Halle. Hier wurde zunächst besprochen, wo es hingehen soll. Wir entschieden uns dabei für das mittlere Sachsen als Ausgangspunkt.

Über die A14 ging es nun in die südöstliche Richtung. Der Himmel war bereits bedeckt, die Sonne war nicht mehr oder kaum noch zu sehen. Grund hierfür waren insbesondere die Eisschirme der Zellen über dem Erzgebirge.

Einige Stunden später fuhren wir in Richtung Riesa/ Meißen ab und setzten uns vor einige, teils linienhaft angeordnete, Multizellen. Wir befanden uns östlich davon, die Verlagerung der Gewitter erfolgte in Richtung Nord bis Nordwest. Man konnte zeitweise die Ansätze einer Shelfcloud erkennen. Da einige kleinere Berge im Weg waren, mussten wir einen besseren Platz suchen. Als wir diesen gefunden haben, waren die Strukturen leider nicht mehr ganz so ansehnlich, wie es zuvor noch der Fall war. Auch die Blitzrate war von unserem Standort aus eher gering.



Übrigens: Zum gleichen Zeitpunkt befand sich bei Bautzen eine Superzelle, welche in Tschechien bereits großen Hagel hervorbrachte.

Wie auch immer, da es an unserem Standort nichts mehr zu sehen gab, begaben wir uns in Richtung Cottbus. So wären wir erst einmal weit genug nördlich und aus dem Süden/ Südosten folgte eine eingelagerte Zelle, welche teils linienhaft angeordnet war und damit die Chancen für eine fotogene Shelfcloud gegeben waren.


Nach langer Suche nach einem neuen geeigneten Platz stationierten wir uns in der Nähe der Stadt, bauten unsere Stative mit den Kameras auf und warteten auf das Gewittersystem.

Im Vorfeld konnten wir sehr gut ausgeprägte Mammatus-Wolken festhalten.


Wenig später folgte die erwartete Shelfcloud mit einigen Blitzen, diese befanden sich zunächst aber meist nur in den Wolken.


Noch bevor uns die Shelfcloud überquerte, kam es (vermutlich) durch den Outflow zu stärkeren Böen und daraus resultierend zu einem massiven Staubsturm. Innerhalb weniger Sekunden packten wir unser Equipment zusammen und brachten uns im Auto in Schutz.

Als nächstes wollten wir uns erneut davor setzen, also fuhren wir wieder in Richtung Norden weiter. Als wir über die Autobahn A13 am späten Abend knapp südlich von Berlin ankamen, hatten wir einen großen Vorsprung aufgebaut. Die ideale Position musste aber noch gefunden werden, da das eingelagerte linienhaft angeordnete Gewittersystem ansonsten knapp vorbei gezogen wäre. Also haben wir uns dazu entschieden, dass wir noch ein kleines Stück nördlicher fahren. Über die Autobahn A10 ging es etwas an Berlin vorbei. Nördlich der Hauptstadt verließen wir diese und suchten einen guten Standort, was uns große Schwierigkeiten bereitete, da zahlreiche Wälder die Sicht massiv einschränkten. Der große Vorsprung ging also dahin und das Gewittersystem holte relativ schnell auf. Im letzten Moment erreichten wir doch noch ein freies Feld, wo wir unsere Kameras neu aufgestellt haben. Neben einigen schönen CG-Blitzen (Cloud-Ground = Wolke-Boden-Blitz) und auch einzelnen Crawlern folgte ungefähr 10 Minuten später eine sehr gut ausgeprägte Shelfcloud, welche durch das Dauergeflacker sichtbar wurde.












Die ausgeprägte Shelfcloud:



Nachdem das Gewitter nah genug an uns dran war, ging es zurück nachhause. Dabei konnten wir noch zahlreiche schöne Blitze sehen, ansonsten gab es viel Regen, welcher der Natur zwar gut tat, für Fotos allerdings nicht so wünschenswert war.

Auf dem Rückweg ging es noch bei Magdeburg vorbei, nach einem mindestens 10-stündigen Stormchasing hielten wir gegen 03:00 Uhr morgens traditionell noch einmal bei Mecces und werteten den Tag aus.



Unwetterschäden & Analyse (Ostdeutschland)

Lokal brachte das Gewittersystem großen Hagel mit sich, dadurch kam es auch zu größeren Schäden. Dies war besonders vor der verstärkten Verclusterung der Fall, aber auch die eingelagerten Zellen brachten später teils noch kleineren Hagel hervor. Ansonsten war auch der Starkregen ein Thema, recht verbreitet kamen 10 bis 40 l/m² zusammen, lokal sogar bis knapp 80 l/m² ( Link zu den 24-stündigen Niederschlagsmengen )! Örtliche Überschwemmungen waren die Folge. Auch Sturmböen spielten vereinzelt eine Rolle, über nennenswerte Schäden liegen uns bisher allerdings keine Informationen vor.

LG Justin

Projekt- und Teamleiter der Stormchaser Sachsen-Anhalt
Last edit: Post by Justin Wenk.
The topic has been locked.
  • Page:
  • 1