TOPIC: [2014] 27.04.2014 - Gestaffelte Multizellen

[2014] 27.04.2014 - Gestaffelte Multizellen 26 Jul 2015 12:21 #5

 
Zusammenfassung
 
 
Art, Intensität und Zelltyp
 
 
Gewitter, starke gestaffelte Multizellen
 
 
Beteiligte Teammitglieder
 
 
Nico, Justin Wenk
 
 
Chasingorte/ betroffene Orte
 
 
Nordhausen, Rosperwenda, Gatterstedt/ südwestliches Sachsen-Anhalt

Wetterlage

Am 27.04.2014 sorgte eine Konvergenz für verbreitete Auslöse vor allem über Thüringen, dem südwestlichsten Sachsen-Anhalt sowie Teilen Niedersachsens. Aufgrund des nur sehr schwach ausgeprägten Höhenwindes verlagerten sich die Zellen nur langsam, sodass es lokal zu hohen Niederschlagssummen kam (89.9 l/m² in Mücheln, Geiseltal). Die Gefahr für Sturmböen/ Orkanböen war, ebenfalls unter anderem aufgrund des geringen Höhenwindes, nicht gegeben. Kleinerer Hagel bis 2, im Extremfall bis zu 3 Zentimetern Korngröße war lokal möglich.

Analyse der Extremwettervorhersage

Die obigen Kriterien wurden auch in unserem Outlook bzw. in unserer Extremwettervorhersage erwähnt, jedoch lag die Level 1 Zone etwas zu nördlich, da es letztendlich nur den südlichsten Teil (Burgenlandkreis, Teile des Saalekreises, Mansfeld-Südharz sowie den Harz) betraf. Für diese Regionen wäre außerdem ein Level 1+ oder gar ein Level 2 denkbar gewesen, wenn man die stündlichen Niederschlagssummen aufsummiert.

Chasingbericht & Bilder

Am 27.04.2014 entwickelten sich bereits ab den Mittags- und den frühen Nachmittagsstunden über Thüringen in der Konvergenzzone einige Multizellen, die sich später zu größeren Systemen zusammenschlossen und teilweise linienartig angeordnet waren. Unsere Teamkollegen Justin und Nico machten sich kurz nach 12:30 Uhr auf den Weg in Richtung Süden nach Thüringen. Bereits kurz darauf konnte man die Zellen über dem Harz sowie bei Erfurt und Jena sehen, wir fuhren letztendlich dennoch erst einmal weiter Richtung Westen (westliches Thüringen). Später war abzusehen, dass sich alles weiter östlich abspielen wird bzw. dies bereits der Fall war. Wir waren somit auf den Weg in Richtung Osten nach Erfurt, während dieser Zeit schwächte sich dieses System jedoch immer weiter ab und es war nicht mehr lohnenswert, in diese Richtung zu fahren. Ungefähr zeitgleich löste es gegen Nachmittag über dem südlichsten Sachsen-Anhalt (Raum Burgenlandkreis) aus. Da es die letzte Chance war, um noch einige Bilder einfangen zu können, haben wir uns schnell dafür entschieden, wieder nach Norden in Richtung Sachsen-Anhalt zu fahren. Wir sind dabei durch das ehemalige "Erfurt-Gewitter" durch, es kam dabei unter anderem nur noch zu Starkregen. Nachdem wir den Niederschlagsbereich verlassen haben, waren wir bereits fast an den Zellen, die sich über dem Burgenlandkreis bildeteten. Als wir schließlich an der Grenze von Thüringen zu Sachsen-Anhalt (Raum MSH, Nähe von Sangerhausen) ankamen, waren wir froh darüber, diese Entscheidung getroffen zu haben, denn es bildeten sich immer wieder genau an derselben Stelle über dem Burgendlandkreis stärkere Multizellen - und diese zogen direkt auf uns zu. Wir hielten, auch wenn die Internetverbindung zeitweise komplett weg war, dass Radar dabei zu jeder Zeit im Auge. Nachfolgend kam es zu starken und länger anhaltenden Regenfällen, aufgrund des nur sehr schwach ausgeprägten Höhenwindes verlagerten sich die Zellen auch nur sehr langsam, sodass teilweise enorm hohe Regenmengen zusammenkamen (89.9 l/m² in Mücheln, Geiseltal), Sturm- oder Orkanböen waren aufgrund dessen aber kein Thema an diesem Tag. Hagel mit Korngrößen größer als 2 bis 3cm haben wir für unsere Region zudem fast ausgeschlossen, da es weder in den Wetterkarten noch nach dem Radar danach aussah. Aufgrund der starken und länger andauernden Niederschläge floss in der Nähe unseres Standpunktes bei Rosperwenda Schlamm von einem Hang in ein Dorf (siehe Bild 4 bis 9). Nico gab daraufhin eine Skywarn-Meldung ab (Link zur Meldung). Wenig später verlagerten wir uns weiter in östliche Richtung, um auch die letzte stärkere Zelle über dem südwestlichen Saalekreis abzufangen. Nachfolgend näherten wir uns der Zelle, wir konnten dabei leichte Shelfansätze feststellen (siehe Bild 10 bis 17). Als wir dort ankamen, waren Handy und Tablet-Akkus teilweise leer, da wir aber ein Ladekabel sowie ein Adapter dabei gehabt hatten, konnten wir die Geräte noch etwas aufladen. Jedoch schmorte der Adapter teilweise durch, weshalb wir diesen kurz darauf bereits nicht mehr verwenden konnten und die Akkus nicht viel voller als zuvor und letztendlich komplett leer waren. Somit haben wir weder ein Radar noch eine richtige Kamera gehabt, es blieb uns nur noch ein kleiner Camcorder, dessen Bild-Qualität war zwar nicht allzu berauschend, aber es war immerhin besser als nichts. Und es zahlte sich aus: Wir bekamen noch einige Blitze vor die Linse, die direkt in die Windräder vor uns einschlugen, zudem konnten wir WhalesMouth-Strukturen und ein Inflowband festhalten. Es war nicht die beste Blitzrate, mehr konnte man an dem Tag aber auch nicht mehr erwarten, außerdem waren dafür sehr schöne Blitze dabei. Da sich die Gewitter später vermutlich immer weiter abschwächten, wollten wir uns auf den Weg nachhause begeben. Aber wir hatten erneut, wie so oft an diesem Tag, Pech. Denn die Autobatterie war restlos leer, genauso wie auch schon die Akkus vom Tablet, den Handys und den Kameras. Man konnte kurz zuvor noch beobachten, wie die Scheibenwischer allmählich langsamer wurden, stehenblieben und letztendlich nichts mehr ging. Da es langsam dunkel wurde, wir auf einem Feld waren wo das nächste Dorf (Gatterstedt) mit wenigen Häusern noch ein Stückchen entfernt war und uns nichts anderes übrig blieb, haben wir versucht, dass Auto anzuschieben. Glücklicherweise war direkt an unserem Standpunkt zusätzlich ein Hang, wo wir das Auto entlang schoben, wenig später sprang es wieder an und wir konnten nachhause fahren. Mithilfe der Lichtmaschine hat sich die Batterie während der Fahrt wieder aufgeladen. Auf der Rückfahrt konnten wir zudem noch einige Blitze beobachten, es regnete weiterhin stark mit Aquaplaning-/ Überschwemmungsgefahr und es kam zu Hagel mit Korngrößen von bis zu 1cm. Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein sehr spannender und interessanter Tag war, auch wenn es einige kleinere Zwischenfälle gegeben hat.






























Unwetterschäden

Durch die andauernden Starkregenfälle kam es lokal zu vollgelaufenen Kellern sowie zu überfluteten Straßen. Annsonsten sind uns keine weiteren Schäden bekannt.
LG Justin

Projekt- und Teamleiter der Stormchaser Sachsen-Anhalt
Last edit: Post by Justin Wenk.
The topic has been locked.
  • Page:
  • 1